Australien Roman - Tausche Alltag gegen Abenteuer

LESEPROBEN

Wie es anfing

 

… „Dann hat mein Leben endlich einen Sinn”, schoss es mir durch den Kopf.
„Erschreckender Gedanke“, dachte ich, als ich langsam das Telefon sinken ließ, an dessen anderem Ende gerade jemand von der Leukämie Stiftung gewesen war, der mir mitgeteilt hatte, dass ich eventuell als lebensrettende Knochenmarkspenderin in Frage käme.

„Um das genau festzustellen, brauchen wir noch eine Blutprobe von Ihnen. Wären Sie denn dazu bereit, das Knochenmark zu spenden?“, hatte mich der nette junge Mann gefragt.

„Ja, selbstverständlich“ hatte ich prompt geantwortet und gedacht: „Wow, ich kann vielleicht ein Leben retten“.

„Wie hoch sind die Chancen, dass ich dieser Person das Leben retten kann, wenn Sie noch Tests machen?“

„Vier Prozent.“

Nur vier Prozent. Da draußen war jemand, dessen Leben eine vierprozentige Chance hatte, weiter zu gehen. Und das hing von mir ab. Von mir, die ihr Leben gerade hasste. Okay, nicht gerade hasste, aber die alles andere als glücklich damit war. Ich schämte mich. Und da war dieser Gedanke:
„Dann hat mein Leben endlich einen Sinn!“
Ein Gedanke, der einen ins Grübeln bringt, vor allem, wenn man ihn mit knapp dreißig hat. Mich beschlich langsam das Gefühl, dass mir jemand sehr nachdrücklich etwas sagen wollte. Und dann geschah auch noch …

Mc Gyvers Outdoor Outfitter

 

Am nächsten Tag verjubelte ich ein Vermögen in einem Outdoor Laden. Meine Hoffnung, da einem knackigen McGuyver Verschnitt, der aus Panzerband, Zahnseide und Camping Geschirr eine Hängebrücke bauen kann zu treffen, wurde leider bitter enttäuscht.

Der Rasta lockige Jüngling, der um die Ecke geschlurft kam, sah eher so aus, als habe er seine einzige Outdoor Erfahrung – in Goa am Strand eine Bong geraucht zu haben – noch nicht verdaut. Vielleicht hatte er aber auch auf dem Mount Everest zeitweilig zu wenig Sauerstoff abbekommen. Erstaunlicherweise hatte er aber Ahnung von der Materie. Vermutlich war ihm mein Vorhaben einfach nicht extrem genug und er fand mich langweilig.

Das änderte sich, als ich ihn herum scheuchte, um mir Trekking Boots, schnell trocknende Travel-Handtücher, Moskitospray, Tabletten um Wasser zu reinigen, ein Taschenmesser mit eingebauter Kettensäge, eine Schlafsack, einen Schlafsack für in den Schlafsack und diverses andere überlebenswichtige Zeug anzuschleppen.
Das Trekking Oberteil im Armee Look lehnte ich dankend ab, um nicht im Dschungel mit Guerilleros verwechselt und erschossen zu werden. Ich wollte dem Wort „Modeopfer“ nicht unbedingt eine ganz neue Bedeutung verleihen. Der Rest stapelte sich auch schon ziemlich hoch im Wagen.

„Brauchen Sie das alles wirklich, Sie müssen das ja alles … “ setzte Rasta an.

„Ja klar brauchte ich das alles. Ich bin lange unterwegs“, unterbrach ich ihn. “Ich brauche dann für Guatemala noch ein feinmaschiges Moskitonetz mit einer Maschenweite von …“

„Mit Imprägnierung oder ohne?“

„Das mit Imprägnierung schützt wohl besser?“

„Wie man es nimmt“, meinte er „es sind schon Kinder darunter gestorben“.

“…?”

Wir zogen mit einem normalen Netz weiter zum Regal mit den Trekking Sandalen.

„Gibt es die auch in schön? So was kann doch keine Frau entworfen haben“, meinte ich.

„Wie, in schön? Das sind Trekkingsandalen.“

„Ok, dann muss es der Nagellack retten“ seufzte ich, stapelte das am wenigsten hässliche Paar auf meinen Wagen und fragte mich versonnen: „Was das wohl alles wiegt?“

„Schätze fünfzehn Kilo“, meinte Rasta schwer geprüft.

„Was? Da muss wieder was weg“ rief ich entsetzt. „Soviel soll der ganze Rucksack wiegen.“ Rasta hielt sich mit übermenschlicher Anstrengung davon ab mit den Augen zu rollen. Und mich zu töten.

Wir luden einen Teil des Gerümpels wieder aus. Langsam war mir klar, warum er zögerlich um die Ecke geschlurft war, als er mich gesehen hatte.

Wahrscheinlich erkannte er meines Gleichen auf 100 Meter.

Für den karmischen Ausgleich versuchte dann eine Airline Angestellte mich wahnsinnig zu machen.

Geburtstag auf dem Friedhof

 

Ich bekam um Mitternacht an eben diesem See in Nicaragua ein international intoniertes Geburtstagsständchen gesungen, das mich nach vier Screwdriver Coacktails zu Tränen rührte.

Mit der Rührung war es am nächsten Tag vorbei. Einerseits angesichts meines Hangovers und andererseits wegen des Vorschlags von Tom meinen Geburtstag auf dem Friedhof zu verbringen.

„Du bist sehr feinfühlig“.

„Wieso?“

„Es ist mein Geburtstag. Ich mag heute scheintot aussehen aber ich werde Einunddreißig. Nicht Einhundertdreißig.“

„Der soll aber sehr schön sein, der Friedhof.“

„Nein.“

„Er ist viktorianisch.“

„ICH WERDE MEINEN GEBURTSTAG NICHT AUF EINEM FRIEDHOF VERBRINGEN, SCHEISSEGAL OB DER SCHÖN IST ODER NICHT.“

„Dass du dich aber auch immer so schnell aufregst. So aus dem Nichts.“

Genau, Frauen regen sich immer aus dem Nichts auf. Völlig unvorhersehbar.
Tom hat es Jahre später geschafft zu heiraten. Ich vermute der Antrag erfolgte nicht auf einem Friedhof. Auch Männer sind lernfähig.

Statt also meinen persönlichen „Dia de los muertos“ vorab zu feiern, machten wir eine idyllische Fahrt mit dem Boot durch ein Meer von blauen Wasserhyazinthen, die zwischen den vorgelagerten kleinen Inselchen an der Küste, riesige Blütenteppiche bildeten.

Der Cowboy

 

… Es gibt Menschen, denen begegnet man nicht. Mit denen kollidiert man. Und zwar mit der Energie fahrender Hochgeschwindigkeitszüge. Ich hatte noch etwa zwei Sekunden bis zum Aufprall, als ich in seine Richtung lief. Das wusste ich da allerdings noch nicht.

Eigentlich könnte der sich ja mal von der Tür weg bewegen, um mir mit dem Rucksack zu helfen, waberte mir ein schlecht gelaunter Gedanke durch mein, vom Alkohol, noch schmerzendes Hirn. Silvester war gerade einen Tag her und ich hatte es mit anderen Backpackern im Hafen von Sydney, mit Blick auf die Oper, unter gigantischen Feuerwerken gefeiert. Mentale Notiz: spare nie am Alkohol. Fusel rächt sich.

Er trug Jeans, Cowboystiefel und eines dieser dunkelblauen Schafscherer Hemden, unter dem sich die Muskeln abzeichneten und einen Akubra –ein australischer Cowboyhut – auf einem dichten, dunklen Haarschopf. Auf der Ladefläche des weißen Landrover, an dessen Tür er lässig lehnte, saß ein Blueheeler und freute sich ein Loch in den Bauch.

Als ich weiter auf den Mann zuging, traf mich ein Blick aus leuchtend violett blauen Laseraugen, unter schwarzen Wimpern, die länger waren als meine eigenen. Und mir schossen plötzlich absurde Gedanken durch den Kopf.

„Die Augenfarbe kann unmöglich echt sein, das sind Kontaktlinsen. Ich komme mir vor wie in einer Filmkulisse. Irgendwie „ Denn sie wissen nicht was sie tun.“ Wie alt ist der eigentlich? Und warum interessierte mich das plötzlich brennend? Der hat ein Grübchen im Kinn und der Dreitagebart ist sexy. Der ist ja kleiner als ich…“

Meine Hormone, die wochenlang vor sich hin gedämmert hatten, waren plötzlich hellwach. „Kleiner ist doch völlig egal, der Kerl ist sex on legs“,  jubilierten sie.
Ich wies sie an sich zusammen zu reißen.

„Hello, beautiful“, sagte er, als ich vor ihm stand…

Brumbies – Wildpferde

 

„Fuck“, brüllte ich wütend und außer Atem. Hättest du mich nicht warnen können?“

Ich untersuchte mein blutiges Knie durch die aufgerissenen Hose. Es wurde unter dem Blut schon blau. Ansonsten sah ich aus, als sei ich einer tollwütigen Katze in die Krallen gelaufen. Die Kratzer und Striemen, die meine Arme überzogen, begannen unter dem Dreck und der Sonnencreme wie verrückt zu jucken.

„Du sitzt doch noch drauf.“ meinte Stretch lakonisch und weiter ging es.

Ich hatte schon längst keine Ahnung mehr, wo wir waren. Stretch schien sich am Stand der Sonne zu orientieren, denn er schaute in regelmäßigen Abständen nach oben und fragte mich nach der Uhrzeit. Wir ritten langsam weiter, sichteten noch zwei kleinere Herden Wildpferde, bis wir auf eine Öffnung im Wald trafen, auf der wir etwas sahen, was ich nie im Leben wieder vergessen würde. Auf einer Lichtung standen drei weiße Hengste. Wir hatten im Schatten angehalten und das Sonnenlicht, das durch die Bäume auf ihr Fell fiel, verlieh ihnen Aureolen aus Licht. Die Szenerie hatte etwas märchenhaft Unwirkliches. Ich tastete vorsichtig nach der Kamera. Die Batterieanzeige blinkte rot auf. Scheiße. Das durfte doch nicht wahr sein.

Black beast

 

Die Stute hatte kaum die Fässer gesehen, da legte sie sich einen halben Meter tiefer und schoss los. Ich krallte mich am Sattel fest und versuchte oben zu bleiben, als sie in rasender Geschwindigkeit in engen Wendungen und in Kleeblatt Form um die Fässer schoss. Ich musste sie irgendwann ausbremsen, weil mir schwindelig war.

„Offenbar kann sie das“ meinte Stretch lapidar und wir ritten weiter.

Da die Stute seit einer Stunde brav gewesen war, ließ ich die Zügel lockerer, entspannte mich und rief Stretch zu:

„Das ist ein Kinderpony, die macht nichts.”

Meine Worte schwebten noch in der Luft, da schwebte ich hinterher. Genaugenommen nahm das schwarze Biest den Kopf zwischen die Beine und bockte los. Ich schwebte einige Male gefühlt einen Meter über dem Sattel, bevor ich hart wieder aufschlug und die nächste Explosion kam. Ich dachte mich fallen zu lassen und abzurollen, kam aus dem Gleichgewicht; dann wurde ich in die Luft katapultiert und schlug mit dem Rücken auf Boden auf, der hart wie Beton war. Ein scharfer Schmerz schoss mir in die Hüfte, so dass mir die Luft wegblieb. Ich hatte die Augen offen aber ich sah nichts. Dann zeichneten sich Konturen im Schwarz ab aber alles was ich sah, war Neon Grün und Schwarz. Der erste Gedanke der mich durchzuckte war:

Du hast dir die Wirbelsäule gebrochen.

Trotz der Schmerzen versuchte ich panisch mich zu bewegen. Es schien zu gehen. Aus weiter Ferne hörte ich Stretchs Stimme, der fragte wie es mir ging. Ich konnte nicht antworten und sah immer noch nichts.

„Warum hast du das gemacht? Du wärest oben geblieben.“

„Ich dachte ich könnte abrollen.“

„Auf Beton? Verdammt.“

„Nicht anfassen“ flüsterte ich als Stretch versuchte mich hochzuheben. Er ließ mich eine Weile in Ruhe und langsam kehrten die Farben zurück. Ich versuchte mich mit seiner Hilfe aufzurichten. Es ging nicht. Es fühlte sich an, als würde mir jemand ein glühendes Eisen in die Hüfte drücken. Es war unmöglich das Bein zu belasten. Stretch trug mich in den Schatten des nächsten Baumes und ich brach in Tränen aus.

„Ich hole den Jeep“ sagte er. „Reiten wirst du wohl erst mal nicht.“

Ich nickte und heulte weiter. Bis er nach einer halben Stunde wieder kam und mich in den Sitz bugsierte. Am Haus angekommen, wusste ich nicht wie ich mich hinlegen sollte.

„Hast du noch Gras?“ fragte ich Stretch.

„Du rauchst doch keines“ meinte er erstaunt.

„Ich tue alles, damit diese Schmerzen aufhören. Ich drehe gleich durch.“

„Nein Schätzchen, es ist leider nichts mehr da.“

„Was ist an Alkohol im Haus?“

„Ein Sixpack Bier und zwei Flaschen VB.“

Ich trank sie alle, war aber noch in der Lage Nachschub zu fordern.

„Es ist nur noch mein Portwein da aber den magst du nicht.“

„Mir egal. Her mit dem Zeug.“

Das war meine letzte Erinnerung, bis ich am Morgen langsam die Augen öffnete und sofort wieder schloss, weil mir ein stechender Schmerz durchs Hirn zuckte, dicht gefolgt von einem mörderischen Schmerz in der Hüfte. Ich untersuchte den Rest meiner jämmerlichen Überbleibsel, die grün und blau geschlagen waren. Mehr Bewegung war keine Option. In der Tür stand Ida mit einem Frühstückstablett. Die Frau war ein Engel.

„Was habe ich denn gestern noch so von mir gegeben?“ fragte ich vorsichtig weil diffuse Erinnerungsfetzen aufstiegen.

„Du hast dich im Allgemeinen und Speziellen über Männer ausgetobt. Und über Idioten, die dich auf verrückte Pferde setzten. Außerdem hast du dich beschwert über die blauen Flecke, wegen denen du kein schönes Kleid anziehen kannst. Danach bist du umgekippt und Stretch hat dich ins Bett getragen,“ grinste sie.

„Oh Gott. Ich habe Tussi Probleme mit einem Cowboy diskutiert.“ würgte ich raus.

Thats what I do with balls

 

Mit frisch gewaschenen Haaren und zum ersten Mal seit Wochen in einem Kleid, zog ich in der Bar die Blicke der versammelten Männer auf mich und dachte noch: „Kein Wunder, dass die alle gucken, die haben eben lange keine attraktive Frau mehr gesehen“, als die Allüre auch schon wie eine Seifenblase zerplatzte.

„Hey“, brüllte einer der Jungs, schob den Akubra zurück und zeigte auf mich. „Bist du nicht die Blondine, die vor ein paar Tagen auf dem Highway ein paar Pferden nachgerannt ist?“

Ich lies mich mit hochrotem Kopf auf einen Barhocker gleiten und ertränkte die Blamage im ersten Bier.

„Ich bin in der Gegend gerade das Highlight an Tratsch oder?“ raunte ich Stretch zu.

„Das wirst du auch noch für Wochen sein, Sweetheart. Ich werde jetzt schon öfter gefragt wo ich immer diese verrückten Hühner aufgabele.“

Ich starrte Stretch böse über den Rand meines Bierglases an. Er grinste breit.

„Don´t get your knickers in a twist und schieb deinen Hintern zum Billardtisch, das war nämlich gerade ein hilfloser Flirt Versuch von dem Kerl. Die sehen hier schöne Frauen nicht so oft.“

„Ich will doch gar keinen.“

„Flirten, nicht heiraten. Du kannst weiter Angst haben, dass dir noch mal jemand das Herz demoliert oder du schmeißt dich ins Leben. Dazu bist du doch in Australien. Oder habe ich das falsch verstanden? Los jetzt.“

“Ach jetzt auch noch Hobby Philosoph?”

“Aristoteles war ein Dreck gegen mich. Schieb ab.”

Der Mann kannte Aristoteles. Vielleicht sollte ich mal meine Vorurteile fallen lassen. Ich hatte unter Idas und seinem wachsamem Auge meinen Spaß, bis mir ein großer und ziemlich angetrunkener James Dean Verschnitt einen Antrag machte, der seinen „Stab“, „Bälle“ und das Wort „versenken“ beinhaltete.

Ein echter Romantiker.

Ich war bei direkter sexueller Anmache meist nicht allzu reaktionsschnell aber dieses Mal hatte ich eine Sternstunde. Ich griff –  in die von Gott gesandte Schale – mit „cheese balls“, die neben mir auf dem Tisch stand, nahm zwei heraus und hielt sie ihm dicht vor die Augen.

Dann zerquetschte ich sie langsam in meiner Handfläche und sagte laut:

„That’s what I do with balls, mate.“ Und stolzierte unter dem brüllenden Gelächter seiner Kumpel an ihm vorbei zurück Richtung Bar. (Das Wort „balls“ hat auch die Bedeutung von „Hoden”).

Loco

 

„G‘day mate. Hast du gut geschlafen?” Fragte er mich. „Fühl dich hier wie Zuhause. Jack, zeig ihr die Weiden, dann kennt sie sich schon ein bisschen aus, wenn ihr demnächst Rinderarbeit macht. Da drüben steht übrigens Ned´s Mitbringsel.“ Er zeigte über den Zaun.

Ich folgte seinem Blick und sah wer mit „er“ gemeint war.

„Das ist eines der hässlichsten Pferde, die ich seit langem gesehen habe.“ Ich betrachtete das Tier, das vor uns stand. Er war klein, relativ dünn und hatte eine fusselige Mähne, die aussah, als seien Ratten darin gewesen. Das nicht genug, hatte er einen riesigen Kopf, mit einer gigantischen Rams Nase auf einem dürren Hals, so dass es schien, als würde er jeden Moment vorne über kippen.

„Und das willst du kaufen. Nicht dein Ernst? Warum?“

„Ich suche ein Pferd für Campdrafting und um an Wettbewerben teil zu nehmen. Ned kauft und trainiert seit 55 Jahren Pferde. Wenn er sagt, dass er Potenzial hat, dann hat er das.“

„Potenzial? Hat der überhaupt Puls?” fragte ich und betrachtete zweifelnd das komatös wirkende Pferd, das an einem Grashalm nibbelte. „Jedenfalls hast du Selbstbewusstsein, wenn du mit der Vogelscheuche irgendwo aufkreuzt. Er sieht aus wie Frankensteins Versuch ein Pferd zu basteln. Aus dem, was noch herum lag. Diese Nase…!

„Je größer die Rams Nase, desto weiter weg ist er von einem Araber.“

„Was hast du gegen Araber?“

„Head up, tail up, give up.“

Aha.

„Das sehen wir gleich, was der kann.“ Dann deutete er auf ein anderes Pferd.

„Nimm den, das ist Cäsar“, sagte er. „Da hast du mal wieder was Großes zwischen den Beinen.“

„Und wie meistens, mit einem ziemlich kleinen Hirn“, gab ich zurück und starte ihn aus schmalen Augen an. Er grinste anerkennend.

Will, der in der Nähe gestanden hatte, brach in dröhnendes Gelächter aus und schlug Jack auf die Schulter.

„Zieh dich warm an, Sohn.“ Er lachte noch immer, als er wieder im Container verschwand.

Känguru auf dem Flur

Das laute Lachen eines Kokaburra schreckte mich aus dem Schlaf. Mein Zimmer hatte zwei Fenster, die auf das Tal hinaus gingen. Kurze Zeit später donnerten die Pferde darunter vorbei, den Hang hinunter, in die Ebene. Ich öffnete die Tür meines Zimmers und fiel fast über ein Känguru. Ein kleines. Ich hatte es offenbar erschreckt, denn es schoss mit zwei riesigen Sätzen um die Ecke ins Wohnzimmer, den langen Schwanz als Steuerruder benutzend. Ich erwartete Porzellan zerbersten zu hören. Aber nichts passierte.

Als ich die Küche betrat, schaufelte Jack gerade gigantische Mengen an Ei und Speck mit gegrillten Tomaten in sich hinein. Er hatte bereits den Gurt der Packtaschen repariert, drei Pferde beschlagen und blutete aus einem Schnitt an der Hand. Wenn nicht grade der Knochen raus schauten, waren hier Pflaster offenbar überbewertet.

„Da war ein Känguru auf dem Flur. Glaube ich. Ich nehme jedenfalls keine Drogen. Wie kommt es da hin?“

„Das ist Hopper”, meinte Jo. „Ich hatte vergessen sie dir vorzustellen. Gestern schlief sie schon in ihrem Kartoffelsack, der an der Küchentür hängt.“

Sex oder reden?

„Wenn du plötzlich nur noch über Belanglosigkeiten redest, wo vorher Intimität war. Dann gehe ich lieber. Oder die Situationen, wo plötzlich Schweigen ist und du genau weißt, dass der andere eigentlich genauso gerne reden würde wie du aber beide Angst vor der Reaktion des Anderen haben. Weil der ja verständnislos sein könnte, oder böse wenn du dich wieder meldest. Mich erschrecken die so, weil sie manchmal aus heiterem Himmel kommen und man so schnell fest steckt. Eben war noch alles schön und dann macht einer etwas, womit der andere nicht klar kommt oder es falsch versteht. Aber du weißt nicht genau, was der verstanden hat. Also sagst du lieber nichts mehr, aus Angst es schlimmer zu machen, weil du den richtigen Anfang nicht findest um wieder in Kontakt zu kommen. Du steckst in einer Sackgasse und weißt nicht wie du wieder rauskommen sollst.“

„Die Lösung wäre Sex.“

Ich verschluckte mich vor Lachen am Bier.

„So stellen Männer Nähe her. Frauen reden dafür. Eins kommt da vor dem anderen zu eurem Pech. Aber vermutlich hast du sogar Recht. Worte machen manchmal bei Erklärungsversuchen mehr kaputt als ganz. Einfach wieder was zusammen machen und Spaß haben wäre das Beste. Und dann reden. Nur eins von beiden klappt ja auch nicht.“

„Brauchst du gerade Nähe?“ fragte er mit großem Augenaufschlag und nahm meine Hand. Diese Augen.

„Habe ich doch. Wir reden.“

„Siehst du. Und das ist das Problem.“

„Von wegen Problem. Da wir hier gerade sitzen, werde ich etwas Holz hacken. Deine Mutter hat gedroht mit Kochen aufzuhören, wenn sie es wieder selbst machen muss.“

„Das wäre wirklich ein Problem. Du kannst ja nicht kochen.“ Ich musterte ihn böse.

“Ich kann kochen, deine Mutter lässt nur niemanden in ihre Küche.”

Er betrachtete mich. „Du hast ganz schön Muskeln bekommen. Sehr männlich.“

„Fuck off.“

“Wildkatze.”  Ich hörte ihn noch lachen als er in den Jeep stieg

Suizid gefährdete Kängurus

 

„Schau nach ob es noch lebt“ sagte Joanne.
Ich war schon dabei auszusteigen und warf einen kurzen Blick auf die Front des Autos. Das Scheinwerferglas war zerbrochen und Kotflügel und Stoßstange hatte eine ordentliche Delle.

Langsam ging ich auf das Tier zu und hoffte, dass es – falls es noch lebte – die Augen geschlossen hatte. Es lag auf der Seite, die langen Läufe und der Schwanz ausgestreckt. Es rührte sich nicht aber ich sah den Herzschlag. Das Blut. Und hörte leises Fiepen. Es war als nicht tot. Mir zog es das Herz zusammen und ich rannte zurück zum Auto.

„Es lebt noch“ rief ich mit zittriger Stimme Joanne zu. „Du musst es töten, es hat sicher Schmerzen.“

„Ich kann das nicht machen.“

„Was soll das heißen, du kannst das nicht? Meinst du ich? Du bist hier aufgewachsen. Ich komme aus der Stadt. Ich habe noch nie etwas getötet.“

„Ich kann keine Tiere töten. Ich rette sie nur“, gab Joanne durchs Autofenster zurück und mied meinen Blick.

„Und was machen wir jetzt? Wir können es doch nicht leiden lassen.“

„Ich kann es nicht töten” sagte sie stur.

Scheiße!

Mir wurde klar, dass sie das Tier lieber liegen und leiden lies, als es umzubringen. Sie konnte es wirklich nicht. Ich hingegen würde den Gedanken nicht ertragen können, dass das Tier noch Stunden litt, weil ich nicht den Arsch in der Hose gehabt hatte, es zu erlösen.

Ich holte tief Luft.

„Ich gehe einen Knüppel suchen,“ sagte ich und lief ein Stück in den dämmrigen Busch hinein.

Dixieklo und Buschromantik

 

Am nächsten Tag packten wir Pferde und Ausrüstung auf den Wagen und fuhren – ein Portaloo (Dixieklo) hinter uns her ziehend – zu dem Event.

„Wieso nehmen wir das Ding überhaupt mit?“

„Weil da so viele Leute kommen werden, dass die festen Toiletten nicht ausreichen.

Ich warf einen Blick in den Rückspiegel und sah, wie das Dixieklo gefährlich hinter uns her schlingerte.
„Solltest du mit dem Ding offroad so schnell fahren? Mir wäre das wirklich etwas peinlich, wenn wir da ankommen, sich das Ding losreißt und wir von einem Klohäuschen überholt werden, das ins Camp rast.“ Die Vorstellung war zu viel und wir lachten Tränen, bis wir fast da waren.

„Weißt du, was ich toll an dir finde?“

„Dass ich hübsch, sexy, intelligent und witzig bin und beim Campdraften deine Pferde ruiniere?“

„Wegen der Aufzählung am Anfang, toleriere ich Letzteres.“ Er lachte. „Nein, es ist entspannt mit dir. Man kann mit dir Lachen und Spaß haben aber genauso gut Schweigen, ohne dass es komisch ist.“

„Ich weiß was du meinst. Viele Menschen glauben sie müssten was sagen, wenn mal keiner was sagt. Oder man hat selbst das Gefühl reden zu müssen, weil da sonst eine Spannung in der Luft hängt. Mit dir habe ich das auch nicht.”

“Mal sehen, wie lange du still bist.”

“Ob du es glaubst oder nicht, ich bin eher ruhig und gerne für mich. Ich rede nur viel wenn mich etwas sehr interessiert oder ich Menschen neu kennen lerne und neugierig bin, wenn ich sie mag. Bei dir trifft beides zu.” Wir lächelten uns an.

Kurz bevor wir ankamen, sagte ich:

„Ich bin dafür, das Klo zu parken, bevor wir im Camp auflaufen. Ich bin noch nie mit einem Dixiklo irgendwo vorgefahren.“

Das sah Jack genauso. Will hatte uns schon von weitem gesehen, half uns das Ding abzukoppeln und warf einen Blick hinein.

„Verdammte Scheiße“ brüllte er los. (im wahrsten Sinne des Wortes, wie sich zeigte). „Ich habe dir doch gesagt dass du das Ding vorher ausleeren sollst. Du musst wie ein Wahnsinniger gefahren sein.“

Ich öffnete vorsichtig die Tür, spähte hinein und warf sie angeekelt wieder zu.

„Ich habe es ja gleich gesagt.“

„Du könntest…“ fing Jack an.

„Mir ein Bier holen gehen. Genau. Viel Spaß mit dem Klo.“

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