Von Querdenkern, Rebellen und Innovationskraft in Unternehmen

Im letzten Artikel schrieb ich darüber warum man sich dazu beglückwünschen kann nicht ganz „normal“ zu sein (und wie das eigentlich definiert ist). Ich komme ursprünglich aus der Kreativ Branche in der es essenziell wichtig ist, so unnormal wie möglich zu sein. Oder zumindest so auszusehen. Ein Nasenring und beidseitig tätowierte Arme, Flip Flops und T-Shirt beim Einstellungsgespräch keinen ganz so graden Lebenslauf oder zumindest ein krasses Hobby, vermindern nicht die Einstellungschancen sondern erhöhen sie drastisch. Angepasst kann in der Branche keiner brauchen. Eigentlich müsste sie noch erheblich bunter werden, statt überwiegend aus Mittelschicht-Deutschen zu bestehen. Denn…

Ideen brauchen Vielfalt.

Je mehr Persönlichkeit, Ecken und Kanten und ungewöhnliche Erfahrungen jemand aufweist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er/sie auch Ideen hervorbringt, die noch nicht da waren. Da sind Leute gefragt, die phantasievoll und rebellisch sind und auch so denken. Nämlich quer.

Neues entsteht, wenn Bekanntes auf neue Weise verknüpft wird. Meist haben kreative Menschen einen Spleen, sind Scanner, d. h. sie interessieren sich für elfzigtausend Sachen, stellen unbequeme Fragen und passen oft nicht „so ganz rein“. Darum sind sie in der Branche gelandet. Weil sie wussten, dass sie sich anderswo vor Langweile und genormten Systemen vom Dach stürzen würden.

Und das ist eigentlich schlimm, denn viele von ihnen sind aus anderen Branchen geflüchtet, weil dort nicht erkannt wurde, wie wichtig sie für den Fortbestand des Unternehmens sind. Diese Menschen sind oft unbequem denn sie stellen den Status Quo in Frage. Und der wird gerne von denen verteidigt, die am meisten zu verlieren haben, wenn sich etwas ändert.

Das Dumme ist nur: Mit der Digitalisierung verändern sich Märkte und Wettbewerb radikal. Mit einem Internetanschluss kann man heute ein Unternehmen aus dem Boden stampfen (und mit einem „shitstorm“ umgehend IN den Boden stampfen), das alteingesessenen Firmen ziemlich schnell die Butter vom Brot nehmen kann. Innovationskraft wird das größte Kapital eines Unternehmens.

Zugang zu Wissen und Tools hat heute – sehr demokratisch – die ganze Welt.

Das heißt, dass Unternehmen sich genauso schnell verändern müssen wie die Veränderung, die stattfindet. Und das wird sicher nicht durch die Mitarbeiter passieren, die wie ein geöltes Rädchen im Betrieb von 9:00 bis 17:30 Uhr mitschnurren. Aber statt diese Menschen gezielt zu suchen, zu fördern, ihnen Raum zu geben und an das Unternehmen zu binden, werden sie vergrault. Und damit bringen sich Firmen um das größte Kapital das sie haben: Kreativität und Innovation. Denn die Zukunft wird eine Wirtschaft der Kreativität sein, in einem Land, das außer Ideen nichts zu exportieren hat.

Neue Ideen werden nie vom angepassten Mainstream geschaffen. @jeanbouffier click to tweet

Sie kommen vom Rand. Von denen, die immer etwas unbequem sind. Die mehr von ihrer Arbeit – deren Sicherheit schon lange nicht mehr garantiert ist – wollen als ihre Stunden abzuschrubben, für die sie dann ein Gehalt bekommen, das auf Dauer genau so wenig motiviert wie Bonifikation. Das hat die Neurowissenschaft hinreichend bewiesen. Sie wollen Sinn, Eigenverantwortung und Leidenschaft einbringen mit dem was sie tun. Und sie gehen meist in den engen Strukturen die so viele Unternehmen haben vor die Hunde. Sie scheitern an den „das haben wir schon immer so gemacht und den „Ja-aber“ Sagern, an den Hierarchien und den Detaildenkern.

Kreative Entwickler brauchen Transparenz um Zugang zu allen Informationen zu haben, damit sie diese neu verknüpfen können. Die Bewahrer sind in Unternehmen auch sehr wichtig aber sie müssen ihren Horizont öffnen, sonst bewahren sie irgendwann eine Ruine. Es ist gut, das was gut ist und einer guten Kultur dient, die jedes Unternehmen (meist unwissentlich hat) aber Altes muss auch immer wieder auf den Prüfstand und manchmal müssen verkrustete Strukturen zerschlagen werden, damit ein Unternehmen sich wieder bewegen kann. Dazu darf ehrliche Meinung und etwas in Frage zu stellen nicht unterdrückt werden. Meinung unterdrücken geht im Internet schon lange nicht mehr.

Nur angepasste Mitarbeiter sind auf lange Sicht der Tod jedes Unternehmens @jeanbouffier click to tweet

Unternehmen haben kaum noch einen Einfluss im Außen darauf wie sie wahrgenommen werden.

Das bestimmen die, die drauf gucken, diskutieren, liken und Meinung machen. Diskussionen können nur noch in den Unternehmen abgewürgt werden. Aber wie lange noch wenn eine Generation nachrückt, die mit selbst gewählten Hierarchien aufwächst, die bestimmt, was glaubwürdig ist und was nicht?

Ich habe kürzlich mit einer Innovationsmanagerin in einem großen Unternehmen darüber diskutiert. Und sie hat etwas sehr Wahres gesagt. Innovation kann nur dann von unten entstehen und das Potential ALLER Mitarbeiter nur dann voll ausgeschöpft werden, wenn von ganz oben die Strukturen dafür geschaffen und vor allem geschützt werden.

 

Jean

About Jean

Ich bin Jeanette. Ich helfe Menschen ihre Vorstellung von Freiheit zu finden. Ob das eine Geschäftsidee ist, eine Lebensvision oder sie eine Auszeit vom Job machen wollen. Oder einfach emotionale unabhängiger leben wollen. DEIN LEBEN. DEINE REGELN!

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