Sechs Milliarden Chancen für Frieden

Wir alle wünschen uns Liebe und Frieden. Aber wo fängt Frieden an? Wir sind über 6 Milliarden Menschen auf diesem winzigen Krümel Erde, der in einem unendlichen, unfassbaren Universum rotiert. Die gesamte Menschheit hat zu 95,5 % absolut identisches Erbgut. Unsere Existenz ist nicht mal ein Wimpernschlag in der Zeit. Trotzdem konzentrieren wir uns den Großteil dieser kostbaren Zeit auf den winzigen Teil der uns trennt. Und hinter Fanatismus und Extremismus steckt so gut wie immer ein komplett verkorkstes Seelenleben (was absolut nicht als Entschuldigung gemeint ist).

Kürzlich schrieb ich auf Facebook diesen Post:

Gestern bemerkte eine Freundin auf dem Weihnachtsmarkt zu mir, sie habe Angst vor Terroranschlägen. 2016 wurden ca. 590 Menschen ermordet, die Hälfte davon von Partnern oder Familienangehörigen. Bevor Ihr nach Bomben schaut, behaltet an Weihnachten also lieber die Tranchiermesser im Auge…ich meine ja nur…

Durch einen irrsinnigen, makaberen Zufall, hatte ich das ca. zwanzig Minuten VOR dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt gepostet. Ich war völlig geschockt, löschte den Post und rief Freunde an, die mir rieten, es mir nicht so zu Herzen zu nehmen.

Aber das Ganze ging mir nicht aus dem Kopf, da ich auch verfolgte, wie der Anschlag von Politikern missbraucht wurde um Stimmung zu machen, wie die Welle von Schwarzweiss-Denken, undifferenzierten Verallgemeinerungen – vor allem im Internet – wieder aufbrandete.

Wir sind 6 Milliarden Chancen auf #Frieden – und der fängt im Alltag an @jeanbouffier click to tweet

Dass uns das runter zieht ist normal. Wie soll man aber trotzdem unverändert ruhig und optimistisch bleiben und eine unzerstörbare Hoffnung behalten und sich davon nicht mitreißen lassen?

Mir helfen zwei Dinge, die ich mir bewusst mache:

1) Nicht die Dinge machen uns Angst, sondern das, was wir darüber denken.

Und das ist meist falsch. Medien haben die große Macht durch die Sprache, die sie verwenden Stimmung zu erzeugen (das Thema benötigt aber einen eigenen Artikel). In den sozialen Medien kann man sich im Negativen verlieren, wenn man das will.
Es gibt viele großartige Menschen und Ereignisse auf der Welt. Aber dorthin richtet kaum jemand den Fokus. Dabei haben wir die Macht unsere Gedanken zu kontrollieren und selbst zu entscheiden, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten.

Unsere Energie folgt unserer Aufmerksamkeit

Damit beeinflusst sie das, was wir um uns herum erschaffen. Während die „Bild“ zum Beispiel in riesigen Lettern „ Angst“ titelte, lautete die Schlagzeile der Berliner Morgenpost: „ Fürchtet euch nicht“. Dem Leser blieb aber am Ende überlassen, welche Haltung er haben will.

2) Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.

Denn das ist das Einzige, was du kontrollieren kannst. Ich habe diesen Satz vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal gehört und er schlug bei mir ein wie eine Bombe. Seit ich ihn las, habe ich mich viel damit auseinander gesetzt, wie man als einzelner Mensch etwas verändern kann.

Die Stimmung auf unserem Planeten, wird von jedem Einzelnen mit beeinflusst und bestimmt

Wenn immer mehr Menschen ihren eigenen – unbewussten –  Mustern, Überzeugungen und Verhaltensweisen auf die Spur kommen, kann das die Energie um uns herum verändern und damit die Energie anderer Menschen. Ich habe das so auf verblüffende Art selbst erlebt. Wie die eigene Veränderung sich darauf auswirkt, wie einem andere plötzlich entgegen kommen. Und welche Menschen man plötzlich anzieht. Denn unsere unbewussten Muster und Überzeugungen sind der Grund für die Gedanken, die wir uns über Dinge, Menschen und Ereignisse machen. Die Emotionen dazu lösen unsere Handlungen aus, wie wir anderen begegnen und wie wir erwarten, dass sie uns begegnen. Wenn wir uns der Ursachen unserer Reaktionen nicht bewusst sind, fehlt uns die Möglichkeit Abstand zum Geschehen zu gewinnen und angemessen zu reagieren.

Wir alle können Systeme verändern. Und wir alle sind immer Teil von Beziehungssystemen. Darauf beruhen alle systemischen Ansätze. Wir sind alle miteinander vernetzt.

Wenn wir uns im System verändern, ändert sich automatisch das System. #systemischewirkung # innere haltung @jeanbouffier click to tweet

Es geht gar nicht anders, denn Veränderung ist das Prinzip der Natur.

Die Haltung, mit der man Dinge verändern kann:

1) Jeder Mensch handelt so gut wie er kann bzw. wie es seine unbewussten Muster,Überzeugungen und Erfahrungen zulassen.

Wir alle sind völlig unterschiedlich geprägt, haben in der Kindheit unterschiedliche Erfahrungen gemacht und Verhaltensweisen entwickelt, wie wir mit Situationen umgehen können, weil Kinder noch nicht reflektieren können. Manche diese Programme tun uns gut. Andere sind für uns als Erwachsene schädlich. Selbst wenn wir sie kennen und anders handeln können, werden sie nie weggehen. Dafür sind sie zu stark in die Persönlichkeit „eingraviert“.

Mir fällt es schwer noch wütend auf Menschen zu werden und ihnen etwas nachzutragen, wenn ich weiß, dass vor mir einfach nur jemand steht, der im tiefsten Inneren grade hilflos ist, wenn er sich daneben benimmt. Das heißt nicht, dass ich das hinnehme aber es verändert völlig meine Energie und wie ich darauf reagiere.

2) Jeder Mensch hat seine völlig eigenen Realität, Erfahrungen und Wahrnehmung der Dinge.

Man kann einen wesentlich mitfühlendenderen Blick auf vermeintlich komische Verhaltensweisen seiner Mitmenschen haben, wenn man versteht, dass jeder Mensch seine völlig eigene Realität erlebt. Er verdient Wertschätzung für seine Meinung oder Haltung. Die ist schließlich aus bestimmten Gründen entstanden.

Wir schätzen die Menschen, die frisch und offen ihre Meinung sagen – vorausgesetzt, sie meinen dasselbe wie wir.
Mark Twain

3) Sie sagen nicht, was Sie sagen

Das wichtigste, was ich mit der Zeit gelernt habe ist, dass es wirklich um die innere Haltung geht. Denn von dem, was andere wahrnehmen wenn wir mit ihnen sprechen, sind die Worte noch nicht einmal 20 % dessen, was beim Gegenüber ankommt. Manchen Wissenschaftler tendieren sogar zu wesentlich weniger Anteil. Der Rest sind Tonlage, Mimik, Körpersprache und vor allem eben Energie.

Wir alle haben zwei Gesichter. Das Lied von Peter Fox – das zweite Gesicht –  beschreibt das ganz gut. (Es gibt kein offizielles Video, daher hier kein Link). Die Frage ist, inwieweit uns das bewusst ist. Unschönes über uns selbst reflektieren wir nicht gerne.

Natürlich kann man lernen, wie man sich zu anderen Menschen verhalten sollte. Wenn man es nicht fühlt, wird sich jedoch der wichtigste Teil nicht übertragen. Das Gegenüber wird immer das leise Gefühl haben, dass etwas nicht ganz stimmt.
Das großartige an der neuen Haltung ist, dass man Menschen plötzlich viel verzeihen kann. Und sich selbst auch. Denn:

4) Sich selbst gut kennen

Das gesagt, ist es leider so, dass Sie sich selbst nie 100 % kennen werden. Wir alle haben einen blinden Fleck, einen Bereich den wir über uns selbst nicht wissen, den andere aber zumindest etwas spiegeln können. Und es gibt einen Bereich, den weder wir noch andere wahrnehmen können. Warum man für „Arschengel“ (Menschen die uns stark triggern) also sehr dankbar sein kann, habe ich in einem anderen Artikel schon mal beschrieben.

5) Der Empfänger bestimmt die Botschaft

Wir glauben immer, dass wir das, was wir hören, auch genau so verstehen wie es gemeint ist. Dabei liegen wir zum größten Teil sehr daneben. Worte sind sehr vage und differieren von Mensch zu Mensch oft in ihrer Bedeutung. Aber das ist nicht alles. Es gibt einige sehr unterschiedliche Persönlichkeitstypen, die alle unterschiedlich motiviert sind und auf unterschiedlichen Ebenen Dinge wahrnehmen und verarbeiten.

6) Mit allen Sinnen wahrnehmen

Manche Menschen verarbeiten mehr über den Verstand, andere über das was sie fühlen. Nichts davon ist besser oder schlechter. Nur anders. Idealerweise sollte sich das ergänzen. Was hilft:

a) Fragen stellen

Ich dachte immer, dass Fragen zu stellen, das wichtigste ist um Interesse an anderen Menschen zu zeigen und sich zu vergewissern, wie Aussagen gemeint sind. Sie sind auch enorm wichtig aber nur die halbe Miete.

b) Zuhören

Wir hören oft nur zu, um selbst die Antwort zu geben, die wir schon im Kopf haben und los werden wollen. Es ist nicht einfach das eigene Mitteilungsbedürfnis unter Kontrolle zu bekommen. Weil wir selbst oft so wenig gehört werden. Dahinter steckt die tiefe Sehnsucht, wirklich wahrgenommen zu werden und nicht als Projektionsfläche für den anderen zu dienen. Wenn es so schwierig ist zu erfassen, was der andere wirklich meint, ist die dritte Komponente aber fast die wichtigste:

c) Fühlen…

welche Energie vom anderen kommt. Und manchmal auch zu sagen, was man gerade wahrnimmt. Das setzt voraus, dass man bei sich selbst spüren kann, wie es einem geht. Man kann Probleme des Gegenübers nicht wirklich verstehen. Aber mitfühlen.

7) Sie kennen nie jemanden wirklich

Dass man jemanden sehr lange kennen muss, um ihn auch nur ansatzweise zu verstehen dürfte klar sein. Immer wenn mir in den letzten zwei Jahren Menschen Dinge erzählt haben und ich dachte: „Ah, das kenne ich von mir“ und ich dann mal weg lies, was ich verstehen wollte, machte mich spätestens der dritte Satz des Gegenübers ziemlich demütig und ich dachte: „Oh … doch nicht.“ Was daran liegt, dass wir immer auch eine Rolle spielen, auch wenn wir versuchen völlig authentisch zu sein. Das ist normal. Der andere kann nur sehen was wir ihn sehen lassen und auch nur das, was wir selbst über uns wissen.

8) Beobachten Sie Ihre Gedanken

Wie anfangs erwähnt, können wir unsere Gedanken kontrollieren und lenken und damit wie wir reagieren. Gedanken erschaffen alles um uns herum. Schaden oder nützen Sie Ihnen? „Sind meine Gedanken wahr? Über mich selbst? Über andere? Welchen Beweis habe ich dafür?“

9) Empathie wirkt Wunder denn jeder Mensch will nur glücklich sein und anerkannt werden. Genau wie Sie selbst

Das lässt einen mit wesentlich mehr Freundlichkeit auf andere schauen. Und nebenbei auf einen selbst. Mit uns selbst gehen wir insgeheim oft am härtesten um. Warum man das oft nicht mal merkt und was man dagegen tun kann, darüber habe ich hier bereits geschrieben: „Entschuldige mal – wie redest du denn mit dir?“

Jeder Mensch hat als Kind Verhaltensweisen gelernt um zum Beispiel Liebe zu bekommen, Beachtung, Anerkennung, Respekt, mit Ablehnung umzugehen, mit Angst. Die mögen manchmal unverständlich oder destruktiv oder für andere schädlich sein aber im Prinzip geht es darauf zurück. Dass wir – besonders auf Menschen, die uns sehr wichtig sind – z. B. oft mit Wut reagieren, liegt meist daran, dass wir damit unbewusst Angst tarnen. Wütend zu werden ist leichter als mit Angst umzugehen. Vor allem sie zuzugeben.

Das ist mit Gefühlen oft so. Und leider kommt die Angst oder die eigene Unsicherheit immer dann hoch, wenn es grade wichtig ist: Wenn wir verliebt sind, es um den Traumjob geht oder wichtige Lebensentscheidungen. Frieden erfordert also als erstes Frieden im eigenen Inneren. Immer wenn ich danach handeln konnte, habe ich die besten Erfahrungen mit Menschen gemacht. Wenn ich es nicht tat, habe ich Menschen sogar verloren. Und das war der Anreiz Dinge zu verändern. Denn wir alle tragen in uns was wir brauchen. Wir müssen es nur „ausgraben“.

Albert Schweizer sagte mal:
„Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zu geben wie wir sind.“

Sich so zu zeigen wie man ist, ist schwer, weil wir meist das Gegenteil beigebracht bekommen. Es ist mit der Angst verbunden, dass andere das gegen uns verwenden und es setzt Selbstsicherheit voraus. Allerdings wird das Gegenüber nicht die Rüstung ablegen, wenn wir selbst nicht damit anfangen.

Na die hat es ja raus

Ob ich das alles selbst hundert Prozent hinbekomme? Raten Sie mal. Was eigentlich einfach ist, ist oft nicht leicht. So sehr ich mir Mühe gebe. Ich scheitere selbst noch oft grandios damit.

Aber dann fällt mir ein, was mir in meiner Ausbildung zur Achtsamkeitstrainerin passierte. Als ungefähr die Hälfte der Ausbildung vorbei war, schlich ich am Morgen in den Ausbildungsraum.

„Was ist los?“ fragte meine Ausbilderin.

„ Ich habe alles VERSTANDEN was du sagst. Aber gestern ging ich hier raus, mit dem Vorhaben unheimlich achtsam zu sein. Und was habe ich gemacht? Gleich eine Freundin zusammengefaltet. Ich habe versagt“, jammerte ich.

„Das passiert mir auch noch oft“ grinste sie. „Aber du hast es gemerkt oder? Und darauf kommt es an. Es wird besser und besser werden, denn deine Haltung ist die richtige. Perfekt wirst du es nie machen. Aber Menschen werden spüren, dass du es versuchst. Wir stehen alle immer wieder am Anfang.“

Und da wir bald ein neues Jahr haben, ist es doch ein ganz guter Zeitpunkt für einen Anfang. 😉

Ich wünsche Ihnen friedliche Weihnachtstage.

Unterschrift

PS: Was diese Haltung mit einer Innovationskultur zu tun hat? Alles!

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