Startup Nation – Wie Israel zum „Silicon Wadi“ wurde

Vor Kurzem war ich auf dem  FUTURALE FILMFESTIVAL

Als digitaler Nomade auf Weltreise gehen und nebenher arbeiten, ein Start-up gründen oder auf Augenhöhe mit den Chefs im Unternehmen mitbestimmen: Das Filmfestival Futurale zeigt Trends der Arbeitswelt der Zukunft, innovative Lebensentwürfe und traditionelle Unternehmen, die sich auf neue Wege begeben. Mit sieben Dokumentarfilmen rund um das Thema Zukunft der Arbeit geht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf Tour durch 25 Städte in Deutschland. Im Anschluss an die Filme diskutieren Expertinnen und Experten aus der Region mit den Zuschauern – so wird in etwa 175 Veranstaltungen das Thema Arbeiten 4.0 ganz unterschiedlich beleuchtet.

Es geht auch darum, auf Basis des Leitbilds „Guter Arbeit“ vorausschauend die sozialen Bedingungen und Spielregeln der künftigen Arbeitsgesellschaft zu thematisieren und mitzugestalten.

Leider habe ich erst spät davon erfahren, so dass ich es nur geschafft habe die zwei letzten Filme zu sehen, die aber großartig waren.


 

Der erste den ich hier vorstelle ist:

SILICON WADI – STARTUP NATION ISRAEL

Israel gilt seit einiger Zeit als das Silicon Valley des Orients und ein Mekka der Technologie.

Der Dokumentarfilm von Yossi Bloch und Daniel Sivan begleitet – sehr ungeschminkt – zwei Jahre lang drei Startups auf der Suche nach Investoren. Man ist teils sogar im Schlafzimmer mit dabei. Bei Beziehungsgesprächen, Verzweiflungsanfällen und Streit unter Team Kollegen und bekommt hautnah mit welche psychischen Auswirkungen eine Gründung mit all ihren Risiken – vor allem den finanziellen – mit sich bringt.

 

SLEEVE – IVO

„Sleeve“ ist ein Online Lernprogramm für Universitäten. Wir sind mit dabei als Ivo seine Idee erst Investoren in Israel vorstellt und begleiten ihn dann auf seiner Reise in die USA wo er es Universitäten wie Hartford, Connecticut, NYCU usw. präsentiert.

Er merkt dabei schnell, dass er auf Vieles keine Antworten hat und sich besser vorbereiten muss. Eine Frage nach dem Umgang mit Urheberrechten kann er nicht beantworten und die Zweifel darüber dass Fachbereiche ihre Inhalte nicht teilen wollen, kann er nicht auflösen. Er ärgert sich über die Chance die er vertan hat. Cut zu…

FIDDME – YOSI

Yossi hatte seine Idee für sein Startup in Paris, wo er das „weltbeste“ Cremetörtchen der Welt aß und diesen Tipp niemandem weiter geben konnte. Sine Startup Idee war geboren. Nur auf die Welt helfen will dem Baby niemand. Bei den Investoren findet es keinen Anklang und ein Freund wirft ihm vor zu emotional an seinem Konzept zu hängen als sei er in ein Mädchen verliebt und dass das nicht gut für dessen Entwicklung sei. „Natürlich, ein Startup musst du leben, träumen, atmen, dran glauben und lieben und verteidigen“ entgegnet Yossi vehement. Doch auch er macht sich für 7 Wochen auf den Weg in die USA um Investoren zu suchen weil der Markt dort viel größer ist. Cut zu…

SHOP ROOSTER – ELRAN, NOAM

Diese Shopping App haben zwei Freunde erfunden, die ebenfalls schon länger auf der Suche nach Investoren sind. Elran befürchtet bereits dass der Aufsichtsrat (seine Frau) den Geldhahn zudrehen wird wenn nicht bald ein Investor gefunden wird. Und das scheint nicht ganz unbegründet denn man beobachtet die beiden zuhause auf der Couch wo sie halb im Scherz zu Elran meint: “Ich komme mir vor wie Yoko Ono. Die wollte die Beatles auch nicht auseinander bringen aber sie wollte eben John Lennon für sich haben“. Cut zu…

SLEEVE – IVO

Ivo liegt im Hotelzimmer in Unterhose auf dem Bett und schaut sich einen alten sehr emotionalen Apple Spot an um sich zu motivieren.

„Here’s to the crazy ones“

An alle, die anders denken:

Die Rebellen,

die Idealisten,

die Visionäre,

die Querdenker,

die, die sich in kein Schema pressen lassen,

die, die Dinge anders sehen.

Sie beugen sich keinen Regeln,

und sie haben keinen Respekt vor dem Status Quo.

Wir können sie zitieren, ihnen widersprechen, sie bewundern oder ablehnen.

Das einzige, was wir nicht können, ist sie zu ignorieren,

weil sie Dinge verändern,

weil sie die Menschheit weiterbringen.

Und während einige sie für verrückt halten,

sehen wir in ihnen Genies.

Denn die, die verrückt genug sind zu denken,

sie könnten die Welt verändern,

sind die, die es tun.

(Rob Siltanen — creative director and a managing partner of TBWA/Chiatt/Day ad agency)

Man kann ihm nachfühlen, warum er sich das ansieht. Als letzte Chance hat er einen Termin bei Blumberg, einem potenziellen Investor, dem er erzählt, dass das Programm die Studenten an den Universitäten begeistert hat. Blumberg meint darauf lapidar, es sei nicht wichtig ob es ihnen gefällt. Es sei wichtig ob sie es kaufen. Er habe keinen Zweifel daran dass so etwas kommen wird aber dass es wohl zwei Jahre zu früh sei.

Nicht nur an einer schlechten oder unausgereiften Idee sondern auch am Timing können Startups scheitern. Als Fazit sagt Ivo als er seinen Traum begraben hat: „Es war das geilste Jahr meines Lebens“.

SHOP ROOSTER – ELRAN, NOAM

Bei den beiden kommt es zu immer mehr Streitigkeiten darüber, wer in Zukunft die Geschäfte führen soll denn das gegenseitige Vertrauen schwindet. In einer verzweifelten Aktion laufen beide mit Megaphon und im Hahnen Kostüm – als RoosterMan – durch Tel Aviv um auf ihre App aufmerksam zu machen.

Ein Investor wird jedoch dadurch auf sie aufmerksam und bietet ihnen 130.000 $ für 20% Anteile an der Firma. Elran findet dass das zu viel ist. Es kommt zum Streit und während er auf Hochzeitsreise ist, bootet ihn der entnervte Noam als Geschäftsführer aus. Die beiden trennen sich im Streit. In dem Cafe, in dem sie ihr Startup gestartet hatten.

FIDDME – YOSI

Yossi reist seit 7 Wochen durch die USA: Seine Geschichte hat er perfektioniert denn er meint: „Es kommt nur darauf an wie du dich verkaufst – die Idee ist gar nicht so wichtig.“ Trotzdem gewinnt er keine Investoren für sein Startup. Wir sehen ihn wie er nach Hause kommt und stürmisch von seinen drei kleinen Töchtern begrüßt wird, mit denen er die ganze Zeit nur skypen konnte.

Ich frage mich woher der Mann – der eine Familie zuhause hat –  seinen Mut genommen hat.

Yossi löst seine Firma einen Monat später auf. Auf die Frage was er nun machen will hat er keine Antwort. Er ist sich nur ganz sicher dass er nicht für Google arbeiten will. „Die haben eine tolle Kantine und da sitzen ganz viele einsame Menschen alleine. Nein, da will ich sicher nicht hin“ meint er todernst. Sein Fazit zu seinem Scheitern: „Es war das spannendste und beste Jahr meines Lebens.“

WAS AUS IHNEN WIRD

Yosi gründet wenig später LABGOO und entwickelt das Spiel Pah!, das sich 1 Million User kaufen. Yosi hat drei Firmen in denen 24 Leute für ihn arbeiten, mit Dependancen in Singapur und Silicon Valley. Bei Google wird er sicher immer noch nicht essen.

Elran arbeitet im Vertrieb.

Mit 15 Millionen Usern wird ShopRooster mit Noam als Geschäftsführer zum Erfolg.

Ivo arbeitet als Computertechniker und scheitert mit einem weiteren Startup, einem Armband mit dem man verloren gegangenen Kinder in Freizeitparks wieder finden kann. Er arbeitet heute für Microsoft.


 

Nach dem Film findet eine Podiumsdiskussion mit Maike Diehl, der Geschäftsführerin von Diehl Kommunikation GmbH – Expertin für deutsch-israelische Wirtschaftsbeziehungen und Dr. Sebastian Schäfer, Leiter des Gründungsnetztwerkes Unibator der Goethe Iniversität Frankfurt statt. Die Goethe Universität ist Partner der Tel Aviv University.

Als ein paar der wichtigsten Gründe für den Erfolg Israels werden genannt:

Scheitern wird in Israel nicht als Versagen betrachtet. Derjenige der etwas gewagt hat, hat etwas gelernt ist dort die Ansicht. Daher starten viele auch sofort wieder mit einer Idee durch.

Nach einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lagen die Bildungsausgaben 2015 gemessen am Bruttoinlandsprodukt bei 6,5 Prozent. Und es gibt dort einen sogenannten Chief Scientist, ein verlängerter Arm des Wirtschaftsministeriums, bei dem alle Fäden zusammen laufen. Förderprogramme beispielsweise werden zentral koordiniert und Fördergelder vergeben, wo in Deutschland viele zuständig sind.

In Tel Aviv gibt es jeden Tag Startup Meetings, Gründer genießen ein hohes Ansehen und erhalten viel Unterstützung.
Es herrscht eine extreme Energie und die Israelis arbeiten sehr „hands on“. 80 Prozent reichen dort um mit der zweitbester Lösung auf den Markt zu gehen. Die Devise ist dabei: „Learning by doing“, während in Deutschland oft– aus Angst vor dem Scheitern– an der Perfektion geschraubt wird, bis der Zug abgefahren ist oder die Idee keine Relevanz mehr hat.

Bestätigt wird all das in einem sehr guten Artikel zum Thema:

Warum Israel zur Hightech-Großmacht wurde“ im Tagesspiegel.

Der Artikel erklärt die vier wichtigsten Gründe für Israels Erfolg:

  • Die Armee
  • Die Bildung
  • Die Zuwanderung
  • Die Mentalität

Hier geht es zum Artikel.

 

Interessante Links zum Thema die in der Diskussion genannt wurden waren:

MAIN INCUBATOR: www.main-incubator.com

Main incubator fördert das Banking der Zukunft und steht für Innovationen im Finanzdienstleistungsbereich. Sie unterstützen Startups und Entrepreneure im FinTech-Bereich – gemeinsam mit der Commerzbank.


TECH ECOSYSTEMS DIALOGUE  2015

Hier präsentierten 10 Startups aus Tel Aviv und Frankfurt bahnbrechende Innovationnen aus den Bereichen: FinTech, ICT, BigData und Cyber Sicherheit.

Der Film zur Konferenz ist online. Interviewt werden vor allem junge Israelis aus der Startup Szene.


PITCH CLUB : www.thepitchclub.com/de/

Die Veranstaltung gibt jungen, kreativen Startups die Möglichkeit, ihre Idee vor erfahrenen Investoren zu präsentieren. Dabei wird den „pitchenden“ Startups alles abverlangt. Die Bühne wird hier zum „Ring“, in dem sich Gründerinnen und Gründer meist technologie- und internetaffiner Startups gegenüber den kritischen Fragen der Investoren verteidigen müssen. Unbequeme Fragen sowie kritische Anmerkungen sind hierbei nicht nur erwünscht, sondern strikt vorgeschrieben.


INNOVATION MAP

Im jüngsten Global Startup Ecosystem Ranking 2015 wurden die 20 dynamischsten Gründerökosysteme vorgestellt, darunter Berlin auf dem 9. Platz. Frankfurt und das Rhein-Main Gebiet (FRM) waren zum wiederholten Male nicht dabei. Warum FRM – ansonsten als Innovationsstandort international bekannt und geschätzt – als Startup-Standort nicht vorkommt, wurde in letzter Zeit aus verschiedenen Perspektiven – beispielsweise beim „Entrepreneurial Ecosystem Talk“ und in den Medien – kontrovers diskutiert. Einig war man sich allerdings bei einem Punkt: Frankfurt Rhein Main feiert seine Startups nicht gebührend und „brüllt“ deshalb leiser als andere Regionen.

Mit der Innovation Map ist es nun erstmals möglich die Startups aus der Region sichtbar zu machen. Dabei bedient sie sich einer Technologie, mit der auch in Israel die „Startup Nation“ vermessen wurde und die, die Startups aus Israel weltweit bekannt gemacht hat.

Hier geht es zum Artikel über den zweiten Film:

Die Wirtschaftskrise hat den weltweiten Arbeitsmarkt erfasst. Im Dokumentarfilm „MEIN WUNDERBARER ARBEITSPLATZ“ kommen Firmen zu Wort, die sich der negativen Stimmung widersetzen und mit innovativen Maßnahmen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter wieder gerne zur Arbeit kommen und gleichzeitig mehr Gewinn generiert wird. Ein inspirierender Film, der Mut macht, auch über die eigene Arbeitssituation nachzudenken.

Jean

About Jean

Ich bin Jeanette. Ich helfe Menschen ihre Vorstellung von Freiheit zu finden. Ob das eine Geschäftsidee ist, eine Lebensvision oder sie eine Auszeit vom Job machen wollen. Oder einfach emotionale unabhängiger leben wollen. DEIN LEBEN. DEINE REGELN!

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