Ist Mut die Abwesenheit von Angst?

„Das war sehr mutig“ kommentierte jemanden meinen online Tagebuch Bericht, den ich geschrieben hatte, als ich alleine durch Nicaragua reiste. Ich hatte einen Sitzplatz in einem Überlandbus gebucht, der in der Nacht um 3 Uhr abfuhr. Leider war ich an der falschen Haltestelle und war gezwungen um die Zeit ein Taxi zu nehmen. Dazu muss man wissen, dass Taxi fahren in Nicaragua alles andere als ungefährlich ist. Der Fahrer schien aber nett zu sein. Mulmig wurde mir erst als er anhielt und ein weiterer Fahrgast einstieg. Das ist nicht ungewöhnlich, hat für Touristen aber schon übel geendet. Der Kerl war einschließlich Glatze 1,95 m groß, komplett tätowiert, ohne Hemd aber in Armee Combat-Hosen gekleidet. Das Taxi schoss durch die Nacht, durch heruntergekommenen Strassen auf der die Beleuchtung fehlte. Ich hatte keine Ahnung wo ich war aber ich hatte zunehmend Angst, dass meine Eltern keine Ahnung haben würden was mir zugestoßen ist, wenn das schief ging. Ich verstand nicht was vorne gesprochen wurde. Die Fahrt schien endlos. Mir brach der Schweiß aus und Panik stieg auf. Ich ging alle Optionen zur Flucht durch. Mit dem Ergebnis dass ich keine hatte.
Es ging gut.

Aber man kann wohl sagen, daß das alles andere als mutig war.
Sondern schlicht dumm.
Ich hätte einen anderen Bus nehmen können.

Was ist also Mut?

Offensichtlich nicht, sich in bescheuerte Situationen zu bringen. Oder sich zu prügeln, als Vorgesetzter Mitarbeiter zur Schnecke zu machen, die am kürzeren Hebel sitzen oder mit Badelatschen und T-Shirt zu versuchen auf den Mount Everest zu steigen (das war tatsächlich eine Zeitungsmeldung).

Ist Mut die Abwesenheit von Angst? @jeanbouffier click to tweet

Eher das Gegenteil. Denn Angst ist eine überlebenswichtige Funktion.

  1. Er bedeutet weiter zu machen, wenn man aufgeben will
  2. Mut bedeutet Fehler und Schwächen einzugestehen
  3. Mut ist einzustehen für das, was man für gerecht und richtig hält, auch wenn der Preis für einen selbst hoch ist
  4. Mut ist sich selbst zu reflektieren
  5. Mut bedeutet Grenzen zu setzen gegenüber Anderen, um gut für sich zu sorgen
  6. Mut bedeutet über die eigenen Grenzen und aus der Komfortzone zu treten
    Den alten Muster und Glaubenssätzen zu sagen: „Ihr könnt mich mal, ich tue es trotzdem“
  7. Zum träumen braucht man keinen Mut aber die Träume umzusetzen und das zu verfolgen, was man will, das ist mutig
  8. Mut ist, seine eigene Meinung zu vertreten auch wenn sie unpopulär ist
  9. Mut ist Phantasie nicht zu beschränken
  10. Mut ist für Schwächere einzutreten
  11. Manchmal ist Mut auch sich selbst anzunehmen, so wie man ist. Denn wer sich selbst nicht liebt und akzeptiert, kann das auch bei anderen Menschen nicht wirklich
  12. Mut ist zuzugeben, wenn man sich geirrt hat
  13. Mut ist zu vertrauen
  14. Mut ist loszugehen ohne zu wissen, was vor einem liegt
  15. Mut ist nach dem Scheitern zu lernen, wieder aufzustehen und weiter zu gehen
  16. Mut ist aufrichtig zu sein – auch sich selbst gegenüber
  17. Mut ist sich selbst zurückzunehmen
  18. Mut ist Chancen zu ergreifen
  19. Mut ist die Fähigkeit das Wort „Nein“ auszusprechen
  20. Mut ist, die Herausforderung und das Ungewisse zu akzeptieren, trotz der Angst. Nicht die Furcht zu leugnen, sondern sich dem zu stellen, was dahinter ist und zu tun was nötig ist, um weiter zu gehen.

Viele Träume werden nicht umgesetzt aus Angst vor Versagen und Ablehnung

Das sind die normalen Blockaden. Aber nicht das darunterliegende Gefühl. Die echte Furcht sitzt tiefer. Schuld, Demütigung, Gefühl der Verlegenheit und Peinlichkeit und Verletzung. Sie führen dazu dass wir nicht mutig sind, sondern gleichgültig bleiben.
Es gibt viele Momente in meinem Leben an denen ich sehr mutig war. Gegen Rassismus vorging oder Ungerechtigkeit. Aber es gibt einige, die mir noch immer in Erinnerung sind und bei denen ich bereue genau deswegen nichts getan zu haben. Eine Situation war z. B., als ich in Lateinamerika sah, wie ein Mann sein bis auf die Knochen abgemagertes Pferd schlug – und ich nichts tat. Oder als ich bei jemandem zu Besuch war und einen Fisch in einem völlig veralgten Becken seinem Schicksal überlies. Oder als ich mitbekam, dass an einem Schalter ein Ausländer mit „Du“ angesprochen wurde, obwohl der Schalterbeamte vorher alle Leute mit „Sie“ angesprochen hatte. Ich habe nichts unternommen oder gesagt und das bereue ich heute noch. Wir müssen keine Mahatma Gandhis, Sophie Scholls, oder Nelson Mandelas sein.

Mut ist manchmal nur die eigene Bequemlichkeit zu überwinden. @jeanbouffier click to tweet

Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren? V. van Gogh

Mut ist sich der Angst zu stellen und sie als Freund zu akzeptieren, der uns vor etwas warnen will. Mut ist durch sie hindurch zu gehen und daran zu wachsen.

Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken. Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich. Steve Jobs

Unsere Welt ist mehr denn je im Wandel. Das Zeitalter der Digitalisierung hat das Industriezeitalter abgelöst.
Trotzdem bewegt sich auch in vielen Firmen noch nicht viel, um den sich verändernden Bedingungen zu begegnen. Aus dem vermeintlichen Sicherheitsgefühl heraus, dass das was man immer schon so gemacht hat auch sicher so noch weiter läuft. Und aus Angst dem nicht gewachsen zu sein, nicht zu wissen wie man damit umgehen soll. Auf Angst reagiert der älteste Teil unseres Gehirn mit 3 Reaktionen:
Fight, flight oder freeze.

Es wird Zeit sich aus der Schockstarre zu lösen und selbst aktiv zu werden wenn sich Dinge verändern, damit sie einen nicht am Ende in den Mut der Verzweiflung drängen.

Was ist Mut für eine Führungskraft?

Vom „ja aber“ zum „warum nicht“ zu kommen. Dafür ist es nötig die innere Haltung zu ändern. Zuzugeben dass man auch nicht für alles eine Lösung und Antwort parat hat. Zuzugeben auch Fehler zu machen und durch sie zu lernen. Am mutigsten ist es Verantwortung abzugeben.

Mut als Führungskraft ist, Menschen das Vertrauen zu schenken, ihre Aufgaben selbst lösen zu können @jeanbouffier click to tweet

Mut ist ein Stück weit die Kontrolle zu verlieren. Menschen zu fördern ohne die eigene Position bedroht zu fühlen. Anderen auf Augenhöhe zu begegnen, ihre Meinung zu hören und zu akzeptieren. Sie als Gewinn zu verstehen, Dinge zu verbessern.

Mut wird in Zukunft immer wichtiger werden. Und dazu sind Selbstreflexion und Selbstwertgefühl nötig.

Mut zur Veränderung

Wenn der erste Schritt gemacht ist, kommt der Rest von alleine.
Die Belohnung sich der Angst zu stellen und durch sie hindurch zu gehen sind Kraft, Selbstbewußtsein und noch mehr Mut Unbekanntes anzugehen.

Es sind nie die Dinge an sich die uns Angst machen, sondern unsere Sicht darauf und die Gedanken die wir uns dazu machen. Mit einem Perspektivwechsel und einem Lösungsweg vor Augen ist dann manchmal gar kein Mut mehr nötig.

 

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