Wie man besser versteht und verstanden wird

Was ist Wirklichkeit?

Die Erkenntnis nimmt zu, dass das, was unsere Wirklichkeit ist, immer diffuser wird. Das, was unsere Körperorgane Auge, Ohr und Haut aus dem Außen wahrnehmen können, ist nur ein ganz schmaler Ausschnitt aus dem uns bekannten Licht- und Akustikwellenspektrum. Demnach ist das, was wir zu erkennen meinen, schon weit entfernt von dem, was wirklich ist. Hinzu kommt, dass unser Gehirn die von Außen kommenden Signale im Inneren wieder rekonstruiert. Dabei benutzt es sowohl Filter als auch schon vorhandenes Wissen (ca. 98%), um die Verarbeitung nicht zu überfordern. Viele Philosophen haben darüber geschrieben, was Wirklichkeit sein könnte, z. B. in dem wunderbaren Buch Sophies Welt. In diesem Artikel gehe ich es aber weniger philosophisch – wissenschaftlich an, sondern praktisch.

„Das ist Rot“ sagte ich einmal zu einer Kollegin. „Blödsinn, das ist Orange“ antwortetet sie. Das war das erste mal in meinem Leben – lange vor meinen Coaching Ausbildung –  dass ich anfing mich zu fragen ob ein andere Mensch die Welt so wahrnimmt wie ich selbst und ob sich das nicht nur auf Farben beschränkt.

Eine objektive Wirklichkeit gibt es nicht

Wir tun aber kurioserweise alle so als gäbe es sie.

Denn das was wir sehen, hören, riechen schmecken, mit allen Sinnen erleben ist unser ureigenes Erlebnis. Wie wir Dinge einordnen liegt an unseren Erfahrungen und Prägungen, die sonst niemand hat.
Wirklichkeit ist etwas, was wir daraus ableiten und interpretieren. Trotzdem tun wir so als gäbe es eine allgemeingültige nach der sich alle richten müssen.

Es wird nie zwei Menschen geben, die auf die genau gleiche Weise etwas wahrnehmen. Wir erwarten das aber meist.

Die gibt es für uns selbst streng genommen auch nur im Augenblick. Da das einzig Beständige die Veränderung ist, verändert sich auch unsere Wirklichkeit permanent und entsteht im Kontext.

Was Persönlichkeitstypen verdeutlichen

Noch besser verstehen kann man das, wenn man weiß dass Menschen unterschiedliche Persönlichkeitstypen haben. Modelle dazu gibt es Viele. Das, welches ich gelernt habe und großartig finde (weil es auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Typen aufzeigt, was sonst so gut wie keins macht) teilt diese zunächst in drei Haupttypen ein.

Die Handlungstypen (Bauch)
Die Beziehungstypen (Herz)
Die Sachtypen (Kopf)

Alle drei leben in einer total unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Erlebniswelt. Alle handeln aber die Motivation ist völlig unterschiedlich und keine davon besser oder schlechter.

Sehr grob kann man sagen, dass Handlungstypen Ziele erreichen wollen und ihr Hauptbedürfnis Kontrolle ist. Sie versuchen so gut wie alles im Leben mit Handeln zu lösen.
Sachtypen wollen anerkannt werden. Ihr Haupt Motivator ist Sicherheit. Beziehungstypen handeln meist mit der unterliegenden Motivation gemocht zu werden.

Den unterschiedlichen Umgang mit einer Situation und deren Wahrnehmung kann man schön in den meisten Meetings beobachten, wenn diese Typen aufeinander treffen. Der Handlungstyp will Dinge möglichst schnell voran bringen und verteilt zackig Aufgaben, während der Sachtyp Schnappatmung bekommt weil wichtige Details die bedacht werden müssen nicht beachtet werden, während der Beziehungstyp vielleicht darüber nachdenkt, was ein Konsens sein könnte, mit dem alle glücklich sind, dass Meeting Räume doch auch ein wenig mehr Wohlfühlatmosphäre haben könnten und ob er grade mit seiner Bemerkung Herrn Müller auf den Schlips getreten ist.

Falls Du jetzt die Reaktion: „Ahh, Schubladendenken!“, hast, stelle Dir bitte Persönlichkeitsmodelle wie ein Navigationssystem vor. Er bildet auch nicht die Wirklichkeit ab, gibt uns aber eine grobe Orientierung, die in unbekanntem Terrain sehr hilfreich ist. Nichts anderes sind Menschen: unbekanntes Terrain. Habe ich als Coach aber eine ungefähre Idee davon wie jemand tickt und was ihn motiviert, kann ich gleich passgenauer arbeiten und den Menschen da abholen wo er steht. Genauso geht es dir im Umgang mit Menschen.

Jeder Mensch hat seine eigenen Realität

Eine der wichtigsten Grundhaltungen, die man Anderen gegenüber haben kann, ist also, dass jeder Mensch seine eigenen Realität und Wahrheit hat, die es gilt wertschätzend anzuerkennen weil sie nicht besser oder schlechter ist als die eigenen. Nur anders.

Man kann die Typen auch sehr gut an sprachlichen Merkmalen feststellen – sie wählen unterschiedliche Worte wenn sie z. B. beschreiben welche Probleme sie haben.

Es hilft – mit dem Hintergrund – also nicht an Begriffen festzuhalten, die jeder anders definiert. Insofern ist auch objektiv nichts richtig oder falsch was gesagt wird denn das entsteht durch die Bewertung des Einzelnen.

Wenn Dich ein anderer Mensch nicht versteht, sind ihm diese Dinge einfach nicht wirklich bewusst und er glaubt dass ihr über die gleiche Wirklichkeit redet.

Bei Unstimmigkeiten überprüfe  ob das, was Du gehört hast, auch wirklich das ist, was der Andere gemeint hat @jeanbouffier click to tweet

Enttäuschung die daraus entsteht, kommt daher, dass wir eine Vorstellung davon haben „wie etwas sein sollte“ und wir davon ausgehen, dass andere Menschen die gleichen Wertvorstellungen haben und ähnlich denken.

So kannst du andere Menschen besser verstehen

Ohne gleich in das komplexe Thema von Persönlichkeitstypen, empathischer Kommunikation usw. einzusteigen, können folgende Punkte helfen:

  • Begegne Anderen mit einer wertschätzenden Haltung.
    Statt von Annahmen auszugehen versuche durch gezielte Fragen dich der Wirklichkeit des anderen anzunähern und mit   Empathie sein Bedürfnis hinter seinen Handlungen erkennen.
    • Immer wieder abprüfen ob das was Du gehört hast auch wirklich das ist, was der Andere gemeint hat. Denn das ist in den meisten Fällen NICHT das Gleiche.
    • Versuche das Bedürfnis bzw. die Motivation beim Anderen zu verstehen

Was Dir IMMER hilft im Umgang mit anderen Menschen, ist die Haltung, dass jeder Mensch so gut handelt, wie es ihm gerade möglich ist. Wie du darauf reagierst ist wieder eine andere.

PERSPEKTIVWECHSEL

Die heutige Berufswelt ist sehr stark an der Welt der Handlungstypen orientiert. Schnelles Handeln, Erfolg, Ziele erreichen. Was meinst Du was passiert, wenn die zwei anderen Bereiche vernachlässigt werden?

 

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