Wie man sich vom Scheitern schnell erholt

Ich selbst hatte immer dann Krisen, wenn alles grade richtig großartig lief und ich auf der Erfolgsspur war. Mein Leben war vor 11 Jahren drauf und dran, genau daran zu scheitern. Bis ich dahinter kam, was die Ursache dafür war. Aber dazu später mehr.

Um das Thema  Scheitern ging es gestern in einer Podiumsdiskussion – ausgerichtet vom Selbständigen Netzwerk in Frankfurt: “Scheitern nicht erlaubt?!“ mit Coach Reiner Biesinger, Rabbi Andrew Steiman, dem Theologen Andreas Böss-Ostendorf und Dr. Walter Reimund – Semiotiker, Kommunikationswissenschaftler und Suchtberater.

„Scheitern ist für viele Menschen aber eine demoralisierende und schreckliche Erfahrung. Sie paralysiert und verhindert – wenn es schlecht läuft – deinen Erfolg beim nächsten Versuch. Scheitern ist ein großes Tabuthema in Deutschland. Kaum jemand spricht übers Scheitern. Höchstens hinter vorgehaltener Hand. Dabei ist Scheitern kein exklusives Einzelschicksal. Geschichten vom großen und kleinen Scheitern erleben wir jeden Tag. Im Privaten wie im Beruflichen. Scheitern hat viele Aspekte und viele Ursachen. Im Scheitern steckt aber auch enormes Potenzial: Wir müssen auch nicht selbst scheitern, um zu profitieren. Es reicht, wenn andere scheitern. Sei es, dass sie sich selbst in die Quere kommen oder ihnen die Welt im Weg steht.“ (Auszug aus der Einladung zum Event).

Rabbi Steiman zog die heiligen Bücher heran und demonstrierte, dass sie voll sind mit Geschichten vom Scheitern. Das fing schon mit Adam und Eva an (wie seine Argumentation war, dass Frauen göttlich und Männer tierisch sind, weiß ich nicht mehr aber es war sehr lustig). Reiner Biesinger , der Heavy Metal Coach, erzählte seine eigenen Lebensgeschichte, die eine Odyssee des Scheiterns war, bis er sich mit 28 Jahren umbringen wollte – und sich dann alleine „aus der Scheiße zog“.

Die Referenten saßen mitten im Publikum und jeder durfte mitdiskutieren. Was eine tolle Idee war denn so kamen unheimlich viele Aspekte zum Thema zusammen. Viele fanden sogar den Mut von ihrem persönlichen Scheitern zu erzählen. Scheiten ist nämlich genauso vage, wie es beänsgtigend sein kann.

Die vielfältigen Aspekte des Scheiterns

Hat man ein Recht auf Scheitern? Warum ist die Welt voller sich selbst entfremdeter Kinder, die darauf getrimmt werden in die Norm zu passen? Wie kann man Scheitern zulassen? Was gewinnt man durch Scheitern? Was hat Resillienz damit zu tun, dass manche Menschen mit Fehlern besser klar kommen als andere? Kann ich mir selbst erlauben um Hilfe zu bitten wenn ich gescheitert bin? Was passiert wenn ich offen zugebe gescheitert zu sein? Was macht das Scheitern eigentlich so schlimm? Etwas in mir? Die Reaktionen von außen? Unsere Erziehung und Kultur? Nach welchem Wertesystem leben wir? Ist ein Flüchtling, der im Mittelmeer ertrinkt wirklich gescheitert? Oder waren es die Umstände? Sind die Opfer der Bankenkrise gescheitert? Sind Menschen, die andere ausbeuten gescheitert? Gibt es eine innere Kraftquelle, die uns hilft unser Scheitern zu bewältigen? Was ist Scheitern eigentlich? Wofür ist Scheitern gut? Was sollte sich in der Gesellschaft ändern wenn es um Scheitern geht? Und was kann helfen Scheitern zu verhindern? Gefährdet Scheitern in einem Land wie Deutschland gleich die Existenzgrundlage oder eigentlich nur vorübergehend unseren Status?

Der, der keine Fehler macht, macht auch nichts, so lautet ein Sprichwort.

Ein Ingenieur erzählte, dass er ein Jahr an einem Airbag entwickelte, merkte dass er einen Aspekt vergessen hatte, diesen korrigierte  und daraufhin einen der funktioniert entwickelte. Erst die Kollegen machten ihn darauf aufmerksam, dass er ja gescheitert sei. Dabei ist ein logischer Fehler – etwas zu versuchen was nicht funktioniert – nur ein Schritt auf dem Weg erfolgreich zu sein. Die Wissenschaft lebt von „try & error“. Sogar Bachelor Arbeiten dürfen über Fehlversuche geschrieben werden, weil sie so wertvoll sind.

Warum also haben wir Anbst vor dem Scheitern?

Eines kristallisierte sich besonders heraus: Scheitern ist immer mehr als ein Verlust von Ansehen, Zeit oder Geld. Etwas auszuprobieren, was vielleicht nicht funktioniert, hat immer einen psychologischen Preis, der mehr mit den persönlichen Dämonen zu tun hat, als mit messbaren Verlusten. Weil es etwas an uns bloßstellt: Unser kindliches verletzliches Selbst. Unter unserer Erwachsenen-Maske liegt eine riesige Angst, die sehr alt ist. Es geht darum wie wir uns dann selbst sehen und wie andere Menschen auf uns reagieren.

„Wenn ich etwas ausprobiere und es nicht schaffe, wird jeder wissen, dass ich…unfähig….dumm…wertlos…(setze ein, was dir passt) bin.“ Wann immer wir etwas Neues probieren, haben wir dieses Risiko aber es variiert von Mensch zu Mensch. „Was glaubst du eigentlich wer du bist dass du das nicht geschafft hast?“ Die Frage führt schnell zu: „Wer bin ich eigentlich?“ Und das können manche beantworten und andere nicht. Frage dich also selbst: „Was ist es, was ich riskiere wenn ich scheitere“. Scheitern ist nicht die Antwort. Sondern die Befürchtung dahinter. Wie genau beeinflusst Scheitern dein Wohlbefinden?

Was haben Glaubenssätze damit zu tun?

Wenn du nicht sicher bist, worum es beim Thema Scheitern bei dir geht, schaue dir mal die Glaubenssätze an, mit denen du in deiner Familie aufgewachsen bist – die nicht alle schlecht sind – die aber interne Konflikte auslösen können, wenn du Ziel ereichen willst. Sie können durch wertende Aussagen, Sprichwörter und Familienmottos entstehen. Einige Beispiele:

Demut (Was glaubst du wer du bist – schäm dich!)
Perfektion (Das kannst du doch noch besser!)
Sicherheit (Ein Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach)
Harte Arbeit (Dann hast du dir eben nicht genug Mühe gegeben)
Egoismus (Du verschwendest Zeit nur auf dich mit deinen Spinnereien)
Bescheidenheit (Sei zufrieden mit dem was du hast)
Können (Wenn du es nicht ganz genau weißt, fang gar nicht erst an)

Unser Erwachsenen Dasein zerfällt schnell wenn es nicht stabil ist. Denn Scheitern rührt genau an das, was wir als Kinder erfahren haben.

Wer ein stabiles Bild von sich selbst hat, kann mit Scheitern wesentlich leichter umgehen @jeanbouffier click to tweet

Unsere inneren Saboteure

Was mich im Leben oft scheitern ließ, waren Steuerungsprogramme. Eine innere Überzeugung, die ich unbewusst seit meiner Kindheit mitgeschleppt hatte: „Du bist nicht gut genug“. Sie gehörte zum Team der Saboteure, die mir immer dann reingrätschten, wenn ich grade richtig auf Erfolgskurs war. Ihre zwei Kumpel sind die Identität, also die Selbstwahrnehmung, die ein Mensch von sich hat („Ich bin jemand der…“) und unsere Erwartungshaltung, also das, was Menschen befürchten („Ich werde nicht geliebt, wenn ich…“), und was einen an Glaubenssätzen wie „Ich muss immer lieb sein/erfolgreich/was besonderes sein etc. um geliebt zu werden“, festhalten lässt. Jeder Mensch hat diese Programme. Manche mehr, manche weniger schädlich. Sie haben uns als Kinder das Überleben ermöglicht, sind aber später oft einschränkend. Alle drei können jedoch stabil verändert werden.

Mein Leben drehte sich um 180 Grad, als mir dieser Programme bewusst wurden und ich sie mit einem Coach veränderte (Ja, Coaches tun sehr gut daran sich auch immer wieder selbst coachen zu lassen). Alleine ist das allerdings ziemlich schwierig, da das Ego auf alles sofort den Deckel drauf packt sobald wir der Wahrheit zu nahe kommen, weil es hartnäckig daran festhalten will. Der Mensch ist auch da ein Gewohnheitstier.

Wenn dir fehlender Selbstwert/Vertrauen einen Strich durch die Rechnung macht, versuche einmal Folgendes:

1) Fühle dich in eine Situation hinein, in der du als Kind warst. Stell dir vor, du bist jetzt dieses Kind. Schreibe auf welche Gedanken dir in den Kopf kommen und welche Gefühle auftauchen. Ohne sie zu bewerten.

2) Stell dir die Angst vor die das Kind hat. Mache es nicht dafür nieder, sondern versuche zu verstehen woher die Angst kommt. Gib ihm als Erwachsener, was es damals gebraucht hätte.

3) Setze dich nicht unter Druck. Kleine Schritte sind gut!

Resillienz – seelische Widerstandskraft

Wer diesen Programmen auf die Spur kommt, kann eine bessere Resillienz entwickeln.
Sie zu trainieren – wie das so oft versucht wird – ist meiner Ansicht nach nicht nachhaltig möglich, wenn die Programme noch unterbewusst laufen. Sie sind zu stark.

Die sieben Säulen auf denen sie ruht sind:

Akzeptanz –  bedeutet anzunehmen, was ich nicht beeinflussen und ändern kann und ist der erste Schritt zum Loslassen.

Optimismus – ist eine positive Weltsicht und eine positives Selbstbild. In Schwierigkeiten nach dem Guten an der Sache zu suchen.

Lösungsorientierung – Probleme in Möglichkeiten und Chancen zu wandeln (um Probleme kreisen deprimiert, nach Lösungen suchen motiviert)

Beziehungen – Menschen zu haben, die einen auffangen können

Verantwortung übernehmen – Sich zu fragen: „Was ist mein Anteil und was kann ich tun?“

Selbststeuerung – sich selbst aktivieren oder beruhigen zu können, statt Spielball der eigenen Gefühle zu sein.

Zukunft gestalten – Für resilliente Menschen bedeutet die Zukunft – unabhängig ihrer Vergangenheit – neue Chancen und Möglichkeiten. Sie steuern ihre eigene Entwicklung.

Eine genauere Erklärung der 7 Säulen, gibt es hier.

Wer seine Muster versteht, entwickelt von selbst mehr Resillienz und wer dann noch genau weiß wer er selbst ist, seine Werte und Fähigkeiten kennt, ist gut gewappnet.

Wer seine eigene Norm hat, an der er sich misst, muss sich nicht im Außen von Anderen messen lassen. @jeanbouffier click to tweet

Und am wichtigsten ist: Gib niemals, niemals, niemals auf!

(Aus dem Film: Mein Kind vom Mars …großartig wenn man wissen will wie liebevolle Kindererziehung aussieht).

Aufgeben würde auch keinem Kind einfallen, das grade Laufen lernt. Oder hast du schon mal eins gesehen das sagt: „Och noö – ist doof – Krabbeln ist auch gut. Ich lass` das mit dem Laufen lieber?“

Als ich Reiten lernte gab mir mein Lehrer zwei Dinge mit:

1) Pferde sind verdammt hoch. Du wirst fallen. Also lerne wie man fällt ohne sich zu verletzen.

2) Wenn du gestürzt bist, steig sofort wieder auf. Sonst sorgt die Angst dafür dass du nie mehr reiten wirst.

Wenn du es nicht verhindern kannst zu fallen, dann lerne gut zu fallen @jeanbouffier click to tweet

Damals war mir leider noch nicht klar, dass ich da auch was fürs Leben lerne.

Für so gut wie alle, die von persönlichem Scheitern erzählt haben, war das Scheitern eine versteckte Chance.

Scheitern als Chance

„Freedom is another word, for nothing left to loose“. Das sang schon Janis Joplin. Denn wenn alles weg ist, ist Raum für Neues. Die Chance etwas „Gesünderes“ aufzubauen. Der Gründer von Paypal scheiterte mit 4 Unternehmen. Und jedes Mal scheiterte er ein bisschen weniger schlimm, sagt er selbst. Scheitern ist also auch jedes Mal die Chance zu lernen. Du kannst nicht immer kontrollieren, ob du im Leben in Situationen gerätst in denen du scheiterst aber du kannst weitestgehend kontrollieren wie du darauf reagierst. Scheitern suggeriert deinem Verstand Dinge, die nicht wahr sind. Das wichtigste ist, zu verstehen, wie es deine Gedanken, Gefühle und Verhalten beeinflusst.

Gedankenimpuls:

Wann bist du schon mal gescheitert und welche Fähigkeit hat dir geholfen weiter zu machen? Was hast du gelernt?

In einem waren wir uns alle einig: Scheitern braucht wesentlich mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Die Stigmatisierung muss aufhören. Statt dessen sollten Menschen die es versucht haben, dafür respektiert und wertgeschätzt werden. Das fängt bei einem selbst an. Wer sich den Respekt und die Wertschätzung im Scheitern nicht selbst geben kann der wird sie auch Anderen nicht geben können.

Dafür gibt es eine sehr schöne Bewegung, nämlich die „fuckup-nights“. Hier treffen sich Menschen und erzählen ihre Geschichte vom Scheitern.

Ich war schon mal da und es wird klar: Ohne Scheitern wäre das Leben stinklangweilig! Nur wer nicht wieder aufsteht, ist wirklich gescheitert.
Das sieht sogar ein Rabbi so.

Und falls du dich wunderst von wem mein Titelbild inspiriert ist: „Es geht im Leben nicht darum wie hart du zuschlagen kannst. Es geht darum wie viel du einstecken kannst und trotzdem weiter machst.“ (Rocky Balboa)
Ich hoffe der Artikel hilft dir herauszufinden wie du dich stärken kannst: um Scheitern zu vermeiden oder gut damit umzugehen.

Schreibe mir auch gerne dazu deine persönliche Meinung!

 

 

Jean

About Jean

Ich bin Jeanette. Ich helfe Menschen ihre Vorstellung von Freiheit zu finden. Ob das eine Geschäftsidee ist, eine Lebensvision oder sie eine Auszeit vom Job machen wollen. Oder einfach emotionale unabhängiger leben wollen. DEIN LEBEN. DEINE REGELN!

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