Schmerz und Trauer verarbeiten und Gefühle zulassen

Ich habe lange darüber nachgedacht, was das Thema des ersten Artikels der neuen Webseite werden sollte. Er sollte definitiv lustig werden und brandneu.  Knackig und mitreißend, total reinziehend um süchtig zu machen, mehr von mir zu lesen. Irgendwas über Erfolg, Motivation oder Lebensfreude um gleich gute Stimmung zu verbreiten.

Und dann kam es anders.

Meine Großmutter starb. Es war gut für sie und ich konnte mich darauf vorbereiten. Dennoch tut es weh, wenn ein wunderbarer Mensch plötzlich nicht mehr da ist, der die eigene Entwicklung so stark beeinflusst hat.

Es heißt, wer Vertrauen bekommen will, muss zuerst welches geben. Daher erfährst du auf meiner Webseite viel Persönliches über mich. Es ist meine Überzeugung, dass nur Themen, die einen selbst berührt, begeistert oder faszinieren, auch andere Menschen erreichen.

Daher ist auch mein erster Artikel ein sehr persönlicher geworden. Er ist eine Danksagung an einen wundervollen Menschen, der mich und meine Wertvorstellungen und was ich von mir selbst denke, stark geprägt hat.

Sympathie ist nicht das gleiche wie Empathie

Ich war dankbar dafür, dass ich oft Zeit mit meiner Oma verbracht und ihr Fragen zu ihrem Leben gestellt habe. Und vor allem, ihr noch alles Wichtige sagen konnte bevor sie starb. Es war das erste Mal dass jemand so elementar Wichtiges aus meinem Leben verschwand.

Daher fiel mir auch bewusst auf, wie bei uns in Deutschland mit Schmerz und Tod umgegangen wird. Nämlich gar nicht. Er wird abgetan und verdrängt. Es gab Beileidsbezeugungen aber Wenige nahmen so Anteil, dass es sich für mich auch so anfühlte. Ich bekam viel Sympathie aber wenig Empathie. Was nicht erstaunlich ist denn bei Empathie müssten wir mit etwas tief in uns selbst in Berührung gehen.

Sicher tat das niemand aus Gleichgültigkeit oder Bösartigkeit. Wir stehen dem Tod nur oft hilflos gegenüber und wissen nicht, was wir den Betroffenen sagen sollen.

Dabei wäre es z.B. das einfachste Fragen zu stellen über diesen Menschen. Wie er war, was ihn besonders gemacht hat. Oder einfach zu sagen: „Ich bin da wenn Du reden oder weinen willst“. Das hilft dem Betroffenen die Gefühle, die hochkommen, auch zuzulassen.
Und oft ist eine Umarmung viel besser als 1000 hilflose Worte.

Meine Oma kümmerte sich viel um Andere – sie rettet im Krieg sogar Leben – und sie gab auch mir das Gefühl, der liebste Mensch für sie zu sein. Erinnerungen an diese Liebe kamen hoch, an fröhliche Sommertage in ihrem Garten, versüßt mit liebevoll gekochter Kirschgrütze. An Plantschen im extra für meinen Bruder und mich aufgestauten Bach, aufgeschlagene Knie und tröstende Worte, an Unbeschwertheit und Wärme. Aus dieser Zeit behalte ich sie auch in Erinnerung. Ich hätte diese Erinnerungen gerne mehr geteilt. Tod und Schmerz wird in unserer Kultur aber kein Platz eingeräumt.

Warum es wichtig ist, Gefühle zuzulassen

Wut, Angst, Schmerz. Sie alle sind dazu da, um uns etwas zu zeigen. Dass etwas fehlt, nicht stimmt. Wenn wir uns wehren, dagegen ankämpfen, verdrängen und sie nicht wollen, bekommen wir ihre Botschaft nicht mit.
Meist reagieren wir aber auf sie, sie schnellstens loswerden zu wollen.

„Alle Gefühle denen wir keinen Raum geben, die wir verdrängen, kommen irgendwann zurück wie ein Bumerang.“ @jeanbouffier Klick für Tweet

Traurigkeit und Schmerz über den Verlust eines Menschen sind nicht schön aber sie sind der fühlbare Beweis dafür, wie tief wir fähig sind zu lieben. Und welche Bedeutung dieser Mensch hatte. Wie schlimm wäre es, wenn wir das nicht empfinden würden. Gefühle sind Signale. Wenn wir Schmerz zulassen, durch ihn hindurch gehen und spüren wie er nachlässt, dann ist er das Zeichen dafür, dass es Zeit für Neues ist. Wir sollten ihnen also Raum geben.

In Israel gibt es den Brauch, dass die Familie 7 Tage zusammen „Schiwa“ sitzt. Schiwa, die Trauerwoche, beginnt unmittelbar nach dem Begräbnis. Sie ist der Weg, den Trauernden zu helfen, mit ihrem Kummer fertig zu werden und ins Leben zurück zu kehren. In Israel isst man nach der Beerdigung  vor allem rund geformtes Essen, um an den Kreislauf des Lebens zu erinnern. Die Trauernden werden in ihrem Schmerz nicht allein gelassen, sondern sind von Freunden, Familie und anderen Trauernden umgeben.

Ein paar solcher Rituale würden uns hier auch ganz gut tun finde ich.

Gedankenimpuls:

Wie gehst du mit deinen eigenen Gefühlen um? Lässt du sie da sein, nimmst du sie an oder versuchst du sie zu verdrängen?

Unterschrift

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